Hybride Wertschöpfung als Innovationsmotor

Was sind die Ideen hinter PIPE? Leitgedanke des Forschungsprojekts PIPE ist eine Effizienzsteigerung des TKD im Maschinen- und Anlagenbau. Dazu wird auf Basis der integrierten prozessorientierten Betrachtung von Produktentwicklung und Servicedokumentation eine Methodik zur Entwicklung hybrider Produkte gestaltet und ein solches hybrides Produkt am Beispiel der SHK-Branche prototypisch umgesetzt. Die Forschungsergebnisse sind generell auf die Branche des Maschinen- und Anlagenbaus anwendbar und ermöglichen sowohl die „Hybridisierung“ bestehender als auch zukünftig zu entwickelnder technischer Erzeugnisse.

Bei der materiellen Komponente des hybriden Produkts handelt es sich um ein technisches Erzeugnis des Maschinen- und Anlagenbaus sowie dessen Dokumentation. Diese bestehende oder zukünftig zu entwickelnde technische Anlage wird zu einem hybriden Produkt aufgewertet, indem Dienstleistungen zur Entwicklung, Bereitstellung, Anwendung und Überarbeitung integrierter Serviceprozessbeschreibungen konzipiert werden, die so den kompletten Lebenszyklus der Ser­vice­prozessdokumentation abdecken. Darüber hinaus soll ein Informationssystem die effiziente Erhebung und Modellierung relevanter Serviceinformationen beim Hersteller ermöglichen. Serviceorganisationen sollen auf die durch das System bereitgestellten Serviceinformationen Informationen mobil zugreifen können. Zwei wesentliche Implikationen des skizzierten Lösungsansatzes sind:

  1. Durch die mit der integrierten Betrachtung verbundene Gestaltung eines neuen hybriden Produkts können die Anforderungen des TKD an eine kundengerechte Inbetriebnahme, Instandhaltung, Wartung und Reparatur von Maschinen und Anlagen gewährleistet sowie die Effizienz des Vorgehens im TKD erhöht werden.
  2. Durch die frühzeitige Verzahnung von Produktentwicklung, Dokumentation, TKD, Prozessberatung und moderner Informationstechnologie entstehen hybride Produkte, welche den Lebenszyklus integrierter prozessorientierter Produkt- und Serviceinformationen beim Hersteller erstmals mit vertretbarem Aufwand abbilden.

Insgesamt ergibt sich damit im Projekt PIPE folgendes Szenario zur hybriden Wertschöpfung im Maschinen- und Anlagenbau (welches als Erweiterung der Wertschöpfungskette aus der Problemstellung zu verstehen ist):

Hybride Wertschöpfung mit dem PIPE-Konzept

Es bestehen zwei Kreisläufe, die zur kontinuierlichen Verbesserung des hybriden Produkts und damit erstens zur Verbesserung der Produktentwicklung seitens der Hersteller und zweitens zur Verbesserung des Dienstleistungsangebots seitens der SHK-Betriebe beitragen. Der erste Kreislauf besteht zwischen dem Gestaltungsprozess des neuen hybriden Produkts durch den PIPE-Dienstleister und den beiden Feedbackprozessen, die von den SHK-Betrieben ausgehen. Das Feedback bezieht sich einerseits auf die Anforderungen der SHK-Betriebe an die Komponenten des hybriden Produkts und andererseits auf die Beurteilung der tatsächlich durch die SHK-Betriebe unter Verwendung des hybriden Produkts erbrachten Qualität der Komponenten, die ergänzend durch die Endkunden zu beurteilen ist.

Der zweite Kreislauf besteht zwischen den Herstellern und dem PIPE-Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, an das die Hersteller technische Dokumentationen sowie die grund­le­gen­den Informationen über die Serviceprozesse weiterleiten. In der Gegenrichtung gibt der PIPE-Dienstleister erstens das Feedback der SHK-Betriebe an die Hersteller weiter und unterstützt zweitens die herstellerseitige Produktentwicklung durch die PIPE-Methodik. Im Ergebnis liegt damit eine prozessorientierte Integration von Produktentwicklung und Servicedokumentation vor, die zur Verbesserung des TKD im Maschinen- und Anlagenbau dienen kann.